Naturpark Serra Gelada
Naturpark Serra Gelada – Wilde Klippen neben der Touristenmetropole
Direkt neben dem Hochhauspanorama Benidorms liegt eine der überraschendsten Naturlandschaften der Costa Blanca: der Naturpark Serra Gelada. Steil abfallende Klippen bis zu 400 Metern Höhe, unberührte Mittelmeervegetation und eine reiche Meeresfauna machen dieses Schutzgebiet zu einem der eindrucksvollsten Naturkontraste Spaniens. Hier, wo hinter dem nächsten Hügel Wolkenkratzer ragen, fühlt man sich plötzlich wie am Ende der Welt.
Was den Naturpark so besonders macht
Die Serra Gelada – auf Kastilisch Sierra Helada, die „gefrorene Sierra” – ist eine Halbinsel aus Kalkgestein, die sich von Benidorm nach Norden bis zur Punta del Albir erstreckt. Trotz ihrer Nähe zur touristischen Infrastruktur ist sie weitgehend unberührt geblieben, ein Verdienst des Schutzstatus, den der Park seit 2005 genießt.
Das Kernstück des Parks sind seine Klippen – einige der höchsten Meeresküsten-Klippen der Valencianischen Gemeinschaft. Das türkisblaue Wasser, das gegen die grauen Felsformationen schlägt, erzeugt eine visuelle Dramatik, die jeden Besucher in ihren Bann zieht. An klaren Tagen reicht der Blick bis zu den Inseln Ibiza und Formentera.
Naturschutz und Artenvielfalt
Der Park ist ein bedeutendes Brutgebiet für Seevögel. Besonders bemerkenswert ist die Kolonie der Kormorane sowie das Vorkommen von Sturmtauchern und Weißmöwen. Unter Wasser setzt sich die Artenvielfalt fort: Das Meeresschutzgebiet beherbergt Posidonia-Seegraswiesen, die als Kinderstube vieler Fischarten dienen.
An Land dominiert die typische Garrigue-Vegetation: Rosmarin, Thymianheiden, Steineichen und wilde Olivenbäume prägen das Bild. Im Frühjahr blüht die Bergahorn-Anemone, und zahlreiche Schmetterlingsarten beleben die Wege.
Wandern in der Serra Gelada
Das Wegenetz des Parks ist gut ausgebaut und für verschiedene Konditionsniveaus geeignet.
Hauptweg: PR-CV 376
Der beliebteste Weg führt von Benidorm (Einstieg beim Leuchtturm Faro de l’Albir oder vom Stadtrand) durch den Park und endet in Altea. Die Route ist etwa 12 Kilometer lang und erfordert rund 3–4 Stunden. Die Höhenunterschiede sind moderat, aber an einigen Stellen führt der Weg nah an ungesicherten Klippen entlang – festes Schuhwerk und Trittsicherheit sind Pflicht.
Kürzere Ausflüge
Wer weniger Zeit hat oder mit Kindern unterwegs ist, kann auch kürzere Abschnitte begehen:
- Leuchtturm-Route: Vom Faro de l’Albir aus in etwa 1 Stunde zu den spektakulärsten Aussichtspunkten
- Weg zu den Strandhöhlen: Kaum bekannter Pfad, der zu versteckten Kalksteinhöhlen an der Küste führt
- Mirador-Runde: Eine 2-stündige Rundtour mit mehreren Aussichtsplattformen
Vogelbeobachtung
Für Ornithologen ist die Serra Gelada ein Muss. Die besten Beobachtungszeiten sind der frühe Morgen und die Abenddämmerung. Folgende Arten sind regelmäßig anzutreffen:
- Balearensturmtaucher (in der Brutzeit)
- Kormoran und Blaumeise
- Wanderfalke, der an den Klippen nistet
- Flussseeschwalbe und Lachmöwe
- Im Herbst: durchziehende Greifvögel
Anreise
Das Haupteingangsgebiet liegt beim Faro de l’Albir in Alfàs del Pi, von wo aus kostenlose Parkplätze zur Verfügung stehen (außer im Sommer: gebührenpflichtig). Der Bus der Linie L-9 verbindet Benidorm und Altea mit dem Park. Vom Stadtzentrum Benidorm aus ist der Parkrand in etwa 20 Minuten zu Fuß erreichbar.
Wichtig: Es gibt keine Möglichkeit, im Park mit dem Auto zu fahren. Die Einfahrt ist für Privatfahrzeuge gesperrt.
Beste Reisezeit
- Frühling (März–Mai): Ideale Wandertemperaturen, üppige Blütenpracht, aktive Vogelwelt
- Herbst (September–November): Angenehm kühl, Vogelzug, keine Touristenmassen
- Winter (Dezember–Februar): Ruhig und mild, perfekt für Wanderungen, keine Hitze
- Sommer (Juni–August): Sehr heiß für Wanderungen – nur früh morgens empfehlenswert
Praktische Tipps
- Wasser mitnehmen: Im Park gibt es keine Wasserquellen oder Kioske. Ausreichend Trinkwasser ist unbedingt erforderlich.
- Sonnenschutz: An den offenen Kliffwegen gibt es keinen Schatten – Sonnencreme, Hut und Sonnenbrille sind essenziell.
- Keine Wegabschnitte verlassen: Einige Klippen sind ungesichert. Niemals abseits markierter Wege an den Rand treten.
- Hunde erlaubt: Der Park ist hundefreundlich, Hunde müssen jedoch an der Leine geführt werden.
- Fernglas mitbringen: Für die Vogelbeobachtung und die fernen Inselsilhouetten unverzichtbar.
- Früh starten: Der Sonnenaufgang über dem Meer von den Klippen aus ist eines der schönsten Naturschauspiele der Region.
Kombination mit Altea
Wer den Park von Norden aus betritt, kann den Besuch mit einem Abstecher nach Altea verbinden. Das weiß getünchte Altstadtviertel mit seiner charakteristischen blaugekuppelten Kirche liegt nur wenige Kilometer entfernt und bietet nach dem Wandern hervorragende Gastronomie und Einkaufsmöglichkeiten.
Die Serra Gelada erinnert daran, dass die Costa Blanca weit mehr ist als Strände und Hotels – sie ist auch eine Landschaft von wilder, zeitloser Schönheit.