Puig Campana

Puig Campana – Der Wächter der Costa Blanca

Wer an der Marina Baixa in den Himmel blickt, sieht ihn unweigerlich: den Puig Campana, mit 1.406 Metern der zweithöchste Gipfel der Provinz Alicante. Unverwechselbar durch die tief eingeschnittene Kerbe in seinem Kamm – die sogenannte Escotadura –, überragt er die Küstenlinie wie ein Wächter und ist von Benidorm, Altea und weiten Teilen der Costa Blanca aus zu sehen. Für Wanderer und Bergsteiger ist er eines der bedeutendsten Ziele der Region.

Was diesen Berg einzigartig macht

Der Puig Campana ist aus Kalkstein aufgebaut und Teil des Gebirgssystems der Cordillera Bética, das sich entlang der Mittelmeerküste Spaniens erstreckt. Die charakteristische Einkerbung in seinem Ostgrat ist nicht nur visuell markant – sie ist auch geologisch faszinierend und Gegenstand mehrerer lokaler Legenden. Die bekannteste erzählt vom Riesen Roldán, der ein Stück des Berges abschlug, damit die Sonne länger scheint und seiner sterbenden Geliebten noch einen schönen Sonnenuntergang gönnen konnte.

Vom Gipfel aus ist das Panorama an klaren Tagen schlicht atemberaubend: Die Balearen-Inseln Ibiza und Mallorca erscheinen am Horizont, die Küstenlinie der Costa Blanca liegt wie eine Landkarte zu Füßen, und nach Norden und Westen erstrecken sich Bergketten bis in die Provinz Valencia.

Der Aufstieg

Routenprofil

Die Standardroute beginnt im Dorf Finestrat (ca. 300 m) und führt über den Nordost-Grat auf den Gipfel. Die wichtigsten Eckdaten:

  • Streckenlänge: ca. 10 km (Hin- und Rückweg)
  • Höhendifferenz: ca. 1.100 m
  • Gehzeit: 4–6 Stunden (je nach Tempo und Kondition)
  • Schwierigkeit: Mittel bis schwer – kein technisches Klettern, aber anhaltend steil und ausgesetzt
  • Beste Jahreszeit: Oktober bis Mai

Wegbeschreibung

Der Weg beginnt am Rand von Finestrat, wo ein gut markiertes Schild zur Sendero del Puig Campana (PR-CV 272) verweist. Zunächst führt die Route durch Kiefernwald und Garrigue-Vegetation, bevor der Pfad auf dem offenen Kamm zunehmend exponierter wird.

Die letzten Meter vor dem Gipfel sind felsig und erfordern Trittsicherheit. Das finale Stück vor der Escotadura ist die technisch anspruchsvollste Passage – hier ist Konzentration gefragt. Der Gipfelblock selbst bietet Platz für eine kleine Gruppe und ist mit einer Gipfeltafel und einem Gipfelbuch ausgestattet.

Alternative Route über Sella

Eine zweite Route kommt von der Nordseite über das Dorf Sella. Sie ist etwas länger, aber auf den ersten Kilometern flacher und landschaftlich ebenfalls sehr schön. Diese Route empfiehlt sich besonders für Wanderer, die eine Überschreitung planen.

Flora und Fauna

Der Puig Campana beherbergt eine für seinen Kalkstein charakteristische Vegetation. In den unteren Hanglagen dominieren Kiefern, Steineichen und die duftende Garrigue aus Rosmarin, Lavendel und Thymian. Auf dem Kamm und dem Gipfelbereich wachsen kälteresistente Polsterpflanzen und alpine Gräser.

An Fauna sind besonders Greifvögel bemerkenswert: Wanderfalken nisten in den Steilwänden, Steinadler kreisen über dem Gipfel, und Schlangenadler sind in den Wärmeperioden des Frühjahrs häufig zu sehen. Spanische Steinböcke (Ibex) wurden in den letzten Jahren am Nordhang mehrfach gesichtet.

Anreise

Das Ausgangsdorf Finestrat liegt 8 Kilometer westlich von Benidorm, gut über die N-332 oder CV-70 erreichbar. Im Dorf gibt es Parkplätze an der Plaza Mayor; von dort beginnt der markierte Weg. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln: Buslinie von Benidorm nach Finestrat, dann zu Fuß den Weg beginnen.

Beste Reisezeit

  • Oktober–November: Ideal – kühl genug für den Aufstieg, klare Sicht auf die Inseln, Herbstfarben
  • März–April: Bergblumen, angenehme Temperaturen, Frühjahrslicht
  • Dezember–Februar: Möglicherweise Schnee auf dem Gipfel – spektakuläre Bilder, aber Ausrüstung beachten
  • Mai–Juni: Noch möglich, aber Aufstieg früh morgens begonnen
  • Juli–August: Nicht empfohlen – extreme Hitze, Hitzschlaggefahr, kein Schatten auf dem Gipfelgrat

Sicherheit und praktische Tipps

  • Früh starten: Im Sommer spätestens um 6:30 Uhr, in der Übergangssaison bis spätestens 8 Uhr. Der Abstieg sollte vor der Mittagshitze beginnen.
  • Wasser: Mindestens 2 Liter pro Person mitführen. Es gibt keine Quellen am Weg.
  • Festes Schuhwerk: Bergstiefel mit Knöchelstütze sind Pflicht. Turnschuhe sind zu rutschig auf dem losen Fels des Gipfelbereichs.
  • Wetterkontrolle: Bei aufziehenden Gewittern sofort umkehren. Der Gipfelgrat ist bei Gewitter lebensgefährlich.
  • Orientierung: Den Weg PR-CV 272 nicht verlassen. Die Beschilderung ist gut, aber einzelne Stellen können verwirrend sein – eine GPS-Karte ist hilfreich.
  • Notfallruf: Die Notrufnummer in Spanien ist 112. Vor der Tour Telefon aufladen und Route einem Dritten mitteilen.
  • Kamera oder Fernglas: Die Aussicht vom Gipfel ist eines der schönsten Naturpanoramen der gesamten Provinz – nichts vergessen.

Nach dem Aufstieg

Das Dorf Finestrat belohnt nach dem Abstieg mit einem guten Essen in einem der lokalen Restaurants. Arròs a banda (Fisch-Paella) oder ein schlichtes Bocadillo mit lokalem Schinken – nach einem langen Bergzug schmeckt beides wie ein Festmahl. Die Cala de Finestrat, nur wenige Minuten entfernt, lädt mit ihrem kühlen Wasser zur wohlverdienten Erfrischung.

Der Puig Campana ist kein Spaziergang – aber er ist einer der lohnendsten Gipfel der gesamten Costa Blanca. Wer oben steht und das Meer unter sich sieht, versteht, warum dieser Berg so viele Wanderer immer wieder anzieht.

Ähnliche Orte